Stilbewusste Herren dürfen gerne wieder zum Einstecktuch greifen!

Das Einstecktuch: ein kleines Stück Stoff als Statement

Lange Zeit galt es als spießig und war vom Aussterben bedroht. Doch in den letzten Jahren trifft man es immer öfter wieder in freier Wildbahn an. Die Rede ist vom Einstecktuch. Wir haben uns das stilechte Gentlemen-Accessoire darum einmal näher angeschaut.

Ein kleines Stück Stoff mit großer Wirkung

Was ist ein Einstecktuch?

Manchmal keck, manchmal eher schüchtern lugt es – immer adrett gefaltet – aus der Brusttasche des Herren-Sakkos heraus: das Einstecktuch. Es wird auch Stecktuch, Kavalierstuch oder Pochette genannt und gilt als stilvolles Accessoire in allen Lebenslagen. Beliebte Materialien sind etwa hochwertige Seide oder feines Leinen. Die Größe variiert meist zwischen 20 x 20 cm und 40 x 40 cm. Einige Einstecktücher können sogar fast 50 cm im Quadrat messen. Farblich ist eigentlich nichts verboten, im Gegenteil: Inzwischen ist hier sogar Experimentierfreude geboten!

Die Geschichte des Einstecktuchs

Ursprünglich kam das Stecktuch in der Biedermeierzeit (ca. 1830) auf und war dort Bestandteil der Reitkleidung. Einige Jahre später hielt das Sakko Einzug in die Tageskleidung der Herren und brachte seinen Freund, das Einstecktuch, einfach mit. Es wandelte sich immer mehr zu einem Ziertuch, das einen schönen Akzent setzte, ohne zu auffällig zu sein. Im Laufe der Zeit erhielten seinetwegen auch andere Jackenformen (z.B. der Frack) eine Brusttasche, um ihm Obdach zu gewähren.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Einstecktuch weitverbreitet. Inzwischen glichen sich Einstecktuch und Krawatte immer stärker aneinander an, wurden oft sogar als Sets verkauft. Um die 1950er schließlich hatte das kleine Stückchen Stoff seinen Zenit überschritten und galt fortan als unmodern und spießig. Doch wie immer in der Mode leben Totgesagte länger! Seit den 1990ern wagt sich das Tuch wieder in die Öffentlichkeit und spätestens seit den letzten fünf Jahren hat es seinen alten Status als Zeichen für einen trendbewussten Mann wieder eingenommen.

Wer trägt wann was?

Erwartet hätte man ein Einstecktuch bis vor einigen Jahren vor allem in der Brusttasche eines älteren Herren während eines Geschäftstermins. Doch inzwischen ist die Pouchette auch beim jungen Gentleman wieder angesagt – und das nicht nur als Bräutigam auf seiner eigenen Hochzeit! Natürlich sind für schüchterne Männer gerade die festlichen Anlässe die wohl legitimen Momente, sich auch einmal so herauszuputzen. Aber liebe Jungs, scheut euch nicht!

Ihr seid mit einem Jackett samt Einstecktuch zur lässigen Jeanshose mindestens genauso passend angezogen, wie im feinen Zwirn zum 60. Geburtstag der Mama. Das Stecktuch ist ein modisches Accessoire, welches den Sprung aus der feinen Gesellschaft hin in den Alltag erfolgreich geschafft hat und sich nun darauf freut, ausgeführt zu werden.

Wie kombiniert man das Kavalierstuch?

Neulinge in diesem Thema machen mit einem weißen Leinentuch (vielleicht samt eines farbigen Randes) nichts falsch. Wer aber etwas experimentierfreudig ist, wird seine helle Freude an dem Tuch haben. Abgestimmt auf die Farbfamilie des restlichen Outfits darf es nämlich gern auch herausstechen. Niemand zwingt einen, die Herren-Accessoires komplett monochrom auszuwählen.

Im Gegenteil: Ein großer Fauxpas für Kenner ist es sogar, wenn das Einstecktuch aus exakt dem gleichen Stoff – sprich Farbe und Muster – gearbeitet wurde, wie die Krawatte. Solche Sets werden zwar günstig angeboten, aber sie zeugen von keinem großen Stilempfinden. Lieber kleine Akzente der Krawatte im Tuch wieder aufnehmen, also z.B. die hellblauen Streifen auf dem weißen Binder mit einem hellblauen Seidentuch kombinieren.

Welchen Zweck hat das Einstecktuch?

Wenn man(n) gerade einen Schnupfen hat, lautet die Devise: Finger weg vom Einstecktuch! Dieses ist heute ein absolutes Zierde-Accessoire, ein Ausdruck von Individualität und Stilbewusstsein. Wer es benutzt, entpuppt sich als Blender. So zumindest spricht die eine Hälfte der Herren.

Die andere Hälfte hingegen übt einen nachsichtigeren Umgang mit dem Accessoire aus. Ihrer Meinung nach darf das Einstecktuch durchaus gelegentlich hervorgeholt werden. Jedoch nur, wenn es danach nicht unschön zusammengeknautscht wieder in die Brusttasche zurückwandert. Denn das A und O beim Einstecktuch ist eigentlich seine Faltung. Hierbei gibt es viele unterschiedliche Arten. Mindestens einer sollte man(n) mächtig sein. Ansonsten heißt es doch wieder: Finger weg!

Übrigens: Varianten, bei denen das Einstecktuch bereits in Form gebracht und festgenäht wurde, sind auch verpönt!

Quellen

www.wikipedia.org/Einstecktuch
www.welt.de/lifestyle
www.gentleman-blog.de/einstecktuch
www.herrenausstatter.de/blogs

Foto: © Kent Wang, Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0, Quelle: Flickr.com

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